Vom Statussymbol zur Funktionswäsche: Strümpfe, Strumpfhosen und das Männerbein im Wandel der Zeit

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Dirk
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Vom Statussymbol zur Funktionswäsche: Strümpfe, Strumpfhosen und das Männerbein im Wandel der Zeit

Beitrag von Dirk »

Vom Statussymbol zur Funktionswäsche: Strümpfe, Strumpfhosen und das Männerbein im Wandel der Zeit

Wer heute einen Mann in Strickstrumpfhose sieht, könnte meinen, hier werde gerade eine modische Grenze überschritten.

Historisch betrachtet ist es eher eine ziemlich verspätete Rückkehr.


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Vom sichtbaren langen Strumpf zur Strickstrumpfhose von heute: Männerbeinmode zwischen Tradition, Funktion und Individualität.


Als Männer noch selbstverständlich Bein zeigten

Lange bevor Strumpfhosen fast automatisch der Damenabteilung zugerechnet wurden, trugen Männer ganz selbstverständlich sichtbare Strümpfe.

Kniehosen endeten tatsächlich am Knie. Darunter kamen lange Strümpfe aus Wolle, Seide oder später Baumwolle zum Vorschein. Besonders feine Strümpfe waren kostbar, körpernah und teilweise auffällig gefärbt oder verziert.

Ein gut bestrumpftes Männerbein war kein peinliches Geheimnis, sondern gehörte zum vollständigen Auftritt.

Man könnte sagen: Der Mann trug Strumpf, zeigte Wade und machte sich darüber erstaunlich wenig Gedanken.

Dann kam die lange Hose

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich das Bild langsam.

Während der Französischen Revolution wurden lange Hosen mit Arbeitern, Handwerkern und dem revolutionären Bürgertum verbunden. Die sogenannten Sansculotten trugen keine Kniehosen und grenzten sich damit bewusst von Adel und Hofgesellschaft ab.

Kniehose und feiner Strumpf standen zunehmend für die alte Ordnung. Die lange Hose wirkte dagegen bodenständig, praktisch und politisch unverfänglicher.

Allerdings verschwanden die Kniehosen nicht an einem einzigen revolutionären Nachmittag. Der Wandel verlief schrittweise. Bei Hof, zu festlichen Anlässen und in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen blieben sie noch eine ganze Weile erhalten.

Der große modische Verzicht des Mannes

Im 19. Jahrhundert wurde die Männermode zunehmend dunkler, schlichter und zweckmäßiger.

Modehistorisch wird dieser Wandel manchmal als großer männlicher Verzicht bezeichnet. Männer verzichteten weitgehend auf kräftige Farben, Schmuck, auffällige Stoffe und sichtbar dekorierte Beine.

Dafür bekamen sie den dunklen Anzug.

Ein Tauschgeschäft, das offenbar ohne längere Bedenkzeit abgeschlossen wurde.

Von nun an sollte der erfolgreiche Mann seriös, vernünftig und beschäftigt aussehen. Möglichst ohne den Eindruck zu erwecken, er hätte morgens Freude an seiner Kleidung gehabt.

Der Strumpf verschwand nicht, er wurde nur unsichtbar

Lange Strümpfe und gestrickte Beinkleidung verschwanden nicht vollständig.

Sie wanderten unter die lange Hose und wurden dort zu Socken, langen Unterhosen und wärmender Unterbekleidung.

Das bestrumpfte Männerbein war also weiterhin vorhanden. Es durfte nur offiziell niemand mehr sehen.

Wie die Strumpfhose weiblich wurde

Im 20. Jahrhundert bekam die Strumpfhose immer stärker ein weibliches Image.

Mit neuen Kunstfasern, kürzeren Röcken und der Mode der 1960er Jahre wurde sie zu einem weithin sichtbaren Bestandteil der Frauenmode.

Ausgerechnet ein Kleidungsstück, dessen historische Vorläufer über Jahrhunderte auch zur Männerkleidung gehört hatten, wurde nun fast vollständig einer einzigen Geschlechterrolle zugeordnet.

Modegeschichte hat offenbar ihren eigenen Humor.

Ganz weg war sie beim Mann nie

Im Ballett, im Theater und bei historischen Darstellungen blieb die Strumpfhose auch am Mann sichtbar.

Im Sport kehrte körpernahe Beinkleidung ebenfalls zurück. Beim Laufen, Radfahren, Skifahren oder als wärmende Unterwäsche wird heute ganz selbstverständlich etwas getragen, das einer Strumpfhose zumindest verdächtig ähnlich sieht.

Es heißt dann Laufhose, Thermohose oder Basisschicht.

Offenbar braucht ein Kleidungsstück manchmal nur einen sportlichen Namen und ein passendes Logo, damit es wieder bedenkenlos männlich sein darf.

Und heute?

Auch in der modernen Herrenmode tauchen Strumpfhosen, Leggings und eng anliegende Beinkleider immer wieder auf.

Auf Laufstegen werden historische Formen neu aufgegriffen, Geschlechtergrenzen lockerer interpretiert und bekannte Kleidungsstücke anders kombiniert.

Das bedeutet noch nicht, dass morgen jeder Mann in Strickstrumpfhose zum Bäcker geht.

Es zeigt aber, dass die angeblich feste Grenze zwischen Männerkleidung und Frauenkleidung historisch deutlich beweglicher ist, als sie heute oft dargestellt wird.

Vielleicht ist der Mann in Strickstrumpfhose deshalb gar kein modischer Sonderfall. Vielleicht knüpft er nur an etwas an, das früher einmal ganz selbstverständlich war.

Die Geschichte wäre damit einmal im Kreis gelaufen. Nur die Diskussion darüber, wer was tragen darf, scheint deutlich haltbarer zu sein als jede Strumpfhose.

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LG Dirk
Nicht für die Masse. Aber genau richtig für mich.

Strumpfhosen, Strick und meine ganz eigene Vorstellung von normal.
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